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Nachruf auf Jens Tenscher

Am 6. März 2015 ist Jens Tenscher an den Folgen eines Unfalls verstorben. Die schreckliche Nachricht hat uns am 11. März erreicht, und wir haben die traurige Aufgabe, sie mit Euch zu teilen. Jens war nicht nur Gründer von NapoKo, sondern über lange Jahre Herz und Seele unseres Netzwerks.

Jens Tenscher

Wir möchten uns gemeinsam mit Euch an ihn erinnern und würdigen, was er für uns als NachwuchsforscherInnen im Feld der politischen Kommunikation geleistet hat. Er wird uns nicht nur als Mentor fehlen, sondern auch als herzlicher und humorvoller Kollege, einigen von uns auch als lieber Freund.

Gemeinsam mit Annette Fahr startete Jens im November 2003 den Aufruf an NachwuchswissenschaftlerInnen im Bereich politischer Kommunikationsforschung, sich in einem Netzwerk zusammenzuschließen – in einer Zeit, als Nachwuchsförderung in unserem Fachgebiet für viele noch ein Fremdwort war. Damit trafen die beiden offenbar einen Nerv, und bereits wenige Monate später ging NapoKo an den Start. Heute zählt NapoKo über 300 Mitglieder und ist eine der größten und aktivsten Nachwuchsgruppen sowohl der DGPuK als auch der DVPW. Dies ist zu einem Großteil das Verdienst von Jens, weil er nicht nur den Startschuss gegeben, sondern das Netzwerk auch langfristig weiter unterstützt und begleitet hat: Über rund eine Dekade hat er sich mit viel Liebe zur Sache und Herzblut für den wissenschaftlichen Nachwuchs in unserem Forschungsbereich engagiert – zuerst als Sprecher, dann in NapoKo-Podiumsgesprächen, bei Workshops und Kolloquien. Jens hatte immer ein offenes Ohr, wenn man einen Rat brauchte. Sein Feedback war schonungslos ehrlich, direkt, aber immer konstruktiv – und gerade deshalb haben wir ihn oft als Respondent eingeladen. Und Jens hat sich immer die Zeit genommen.

Dabei ist auch vieles entstanden. Nicht nur zahlreiche Artikel und Buchbeiträge, mit denen er jungen ForscherInnen ein Sprungbrett geboten hat, sondern auch eine Buchreihe mit „Studien zur politischen Kommunikation“, die mittlerweile 12 Bände umfasst.  Die vielen (Mit-)Autoren haben dabei nicht nur von seinen Kontakten und Ressourcen profitiert, sondern auch inhaltlich immens dazugelernt.

Es war immer eine Freude, Jens bei unseren Workshops oder bei Tagungen zu treffen. Bei ihm war ein „Netzwerk“ nichts Abstraktes, sondern ein fröhliches Wiedersehen, ein Austausch auf Augenhöhe, bei dem Jens nichts auf die eigene Stellung oder die seines nicht-professoralen Gegenübers gab. Nach den inhaltlichen Diskussionen kam auch das „Socializing“ nicht zu kurz, ob bei einem Weinfest oder einem guten gemeinsamen Essen. So haben sich unter den „NapoKos“ viele Freundschaften und enge Bande gebildet, und Jens hat die so entstandenen Freundschaften trotz der vielen Ortswechsel im Laufe der Jahre – die das Wissenschaftlerleben mit sich bringt – immer gepflegt.

Genau diese Verbindung von Wissenschaft und Menschlichkeit war typisch für Jens. Er interessierte sich nie nur für die Sache, sondern immer auch für die Menschen dahinter. Das zeigte sich zum Beispiel in einem Erlebnis einer Weggefährtin vor einigen Monaten: In einem Telefonat fragte Jens, wie es ihr gehe. Als sie sofort begann über die Arbeit zu berichten, unterbrach er sie mit den Worten: „Ja, aber das meinte ich nicht. Ich meinte: Wie geht es DIR?“

Ende letzten Jahres bedankte sich Jens auf seinem Facebook-Profil für die Glückwünsche zu seinem Geburtstag und schrieb: „Wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein tolles Jahr 2015. Wäre schön, wenn wir uns dann mal wieder sehen oder sprechen würden.“ Die meisten von uns hatten dazu leider keine Gelegenheit mehr. Trotz aller schriftlichen und fernmündlichen Vernetzungskanäle ist der Persönliche ein ganz entscheidender, den man plötzlich sehr vermisst, wenn es schon zu spät ist.

Mit Jens verliert die politische Kommunikationsforschung nicht nur einen ausgewiesenen Forscher und beliebten Hochschullehrer, sondern einen ihrer aktivsten Nachwuchsförderer. Während andere nur über Nachwuchsförderung sprachen, war sie für Jens eine Herzensangelegenheit. Es ist an uns, das weiterzuführen, was er angestoßen hat.

Wir werden ihn schmerzlich vermissen.

Björn Buß & Stefan Geiß

mit herzlichem Dank an die WeggefährtInnen von Jens Tenscher, die uns – als NapoKo-Sprechern der inzwischen „fünften Generation“ – Informationen aus der Frühzeit von NapoKo und aus dem Leben von Jens haben zukommen lassen. Besonders danken wir Annette Fahr, Lutz Hofer, Ulrike Klinger, Melanie Magin und Henrike Viehrig.